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Die noa bank wirkt nachhaltig

Transparenz über die Kreditvergabe, keine Spekulationsgeschäfte. Mitten in der Krise will eine neue Bank ausschließlich die reale Wirtschaft, den Mittelstand, und bewusste Kontokunden mit Transparenz und Glaubwürdigkeit gewinnen. Anders als durch „grüne Nischenbanken“ soll nicht nur die Alternativwirtschaft gefördert werden.

Auf den ersten Blick macht sie einen guten Eindruck. Die noa bank präsentiert sich mit einem frischen, modernen Auftritt im Internet. Sie setzt auf Gestaltung, klare Aussagen und Inhalte – und die persönliche Ansprache durch den Gründer. Die Frage „Was macht die Bank mit meinem Geld?“ steht für den 36-jährigen Neubanker François Jozic im Mittelpunkt. Angesichts der Banken- und Finanzkrise stellten sich Millionen Bankkunden auch diese Frage. Vor einem Vertrauensverlust trotz riesiger Verlustgeschäfte wurde gewarnt – doch der Appell, das Vertrauen durch Transparenz und Kontrollen zurück zu gewinnen, verhallte ungehört. Schon entstehen mit Provisionen und Boni neue Spekulationsblasen.

 

Keine Spekulation

Nicht so in der Bank von Jozic. Spekulation wird es mit ihm nicht geben. Selbst ethischökologische Fonds und Beteiligungen lehnt er ab, weil sie auf Spekulation beruhen. „Eine Bank ist eine Bank, kein Investment- Unternehmen“, sagt Jozic. Er will, dass die Bank wieder das Gefühl der Sicherheit gibt, echte Basisarbeit macht. Die Krise hat ihn aufgeweckt, sagt er. Gleichzeitig ist sie aber auch die Chance für die noa bank. „Ohne Krise hätten wir keinen Erfolg“, so Jozic. Zu Beginn rechnet er nur mit ein paar tausend Neukunden jährlich, doch bis 2014 mit 500 000 Kunden. Im schlechtesten Fall wären es bis dahin 50 000 Kunden, so viele, wie auch die beiden „großen“ Alternativbanken GLS Bank und Umweltbank zu Beginn der Krise hatten. Bei beiden kommen monatlich über tausend Kunden hinzu, die wissen wollen, was mit ihrem Geld passiert. Dieses Interesse spürt auch die noa bank bereits in den wenigen Tagen ihrer Existenz, ebenso wie die neue Filiale der europaweit agierenden größten Alternativbank Triodos. Deren Geschäft kennt Jozic aus Belgien gut. Doch anders als die Ethikbanken will er das Geld seiner Kunden nicht ausschließlich in ökologisches Bauen und Wohnen, Alternativpädagogik, Biolandwirtschaft, soziale Projekte und erneuerbare Energien investieren. Neben den Bereichen Planet (Bio, Energie, Bauen, Umwelttechnologien), Leben (Kliniken, Ärzte, Labors, Seniorenund Behinderteneinrichtungen) und Kultur (Kulturelle Einrichtungen, Kinos, Theater, Musicals, Konzerte, Ausstellungen, unterstützenden Unternehmen) soll das Standbein die Region sein. Die Kunden lassen ihr Geld gezielt in diesen Wirtschaftssektoren arbeiten, in dem sie eines der vier Themenkonten wählen. Im Internet können sie kontrollieren, wie die Kreditnehmer diese Gelder verwenden.

 

Nachhaltigkeit

Besondere Nachhaltigkeitskriterien werden an die kreditnehmenden Unternehmer im Bereich „Region“ nicht angelegt. Die Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen, Innovationen, regionale Nähe und Transparenz durch die Veröffentlichung des Kreditprojekts im Internet sollen ausreichen, um einen Wandel der Wirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit zu ermöglichen. Jozic legt besonderen Wert auf die soziale und ökonomisch nachhaltige Wirkung finanziell ausreichend ausgestatteter Unternehmen. „Die wesentliche Aufgabe von Banken ist, Geld zu leihen – und das tun sie zu zögerlich.“ Das wollte er ändern und gründete 2004 in Düsseldorf den Factoring-Dienstleister Quorum. Dieser bezahlt Unternehmen gegen Gebühr ausstehende Rechnungen sofort, wenn diese Liquidität benötigen, sie aber nicht besitzen, weil sie auf das Geld ihrer Kunden warten müssen. Das Geschäft läuft gut: Quorum hat derzeit etwa 750 Firmenkunden und machte 2008 einen Umsatz von 432 Millionen Euro.

 

Mit Transparenz aus der Klemme

Von Quorum stammen auch das Kapital für die noa Bank und ein Teil der Mitarbeiter. Ihre Angebote für Firmenkunden sind ähnlich. So gibt es neben maßgeschneiderten Finanzierungen, Kontokorrentkrediten und Importfinanzierungen die „Rechnung48“. Innerhalb von 48 Stunden werden „klamme“ Unternehmen mit 85 Prozent des Rechnungsbetrags wieder „flüssig“. Den Rest, abzüglich der Gebühr, erhalten sie, wenn der Kunde die Rechnung beglichen hat. Das Ganze funktioniert immer „direkt“, denn die noa bank hat nur ihren Firmensitz in Frankfurt und eine Filiale in Düsseldorf. Firmen- wie Privatkunden können online oder telefonisch ihre Geschäfte verwalten. Die Transparenz über die Wirkungsbereiche hat die noa bank mit der GLS Bank und Triodos gemeinsam. Eine „Spartenbank“ wie diese will sie jedoch nicht sein. Eher solle man die noa als „Langfrist-Finanzierer“ sehen – der durchaus zum gesellschaftlichen Wandel in Richtung Nachhaltigkeit beitragen will. rb