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Lakshmi Shree (10 Jahre), Indien Foto:Peter Ginter im Auftrag der Bayer AG

Marktchancen erkennen und nutzen

„Die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise ist eine gute Gelegenheit, sich durch nachhaltige Investitionen für die Zukunft zu rüsten. Unternehmen, die heute in Ressourcen- und Materialeffizienz investieren, sparen nicht nur Betriebskosten, sie eröffnen sich auch neue Marktchancen. Eine ganze Palette an Instrumenten und Förderberatungen steht für sie bereit.

Für Nichttechniker haben sie einen merkwürdigen Klang: Optimierung der Edelstahlschlackenverwertung zur Metallrückgewinnung und Bauproduktherstellung, Neuartiges Trockenherstellverfahren von Lagermatten für Abgasreinigungsanlagen, aber auch: Erhöhung der Produktionsausbeute bei verringertem Ressourceneinsatz. Das sind die Titel von drei Projekten der insgesamt 39, die sich im Ressourceneffizienz-Wettbewerb „Ressource.NRW“ des Landes um Fördermittel aus einem Ziel2-Programm „Regionale Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung 2007 – 2013“ (EFRE) bewerben. Insgesamt umfassen die von einer unabhängigen Jury ausgewählten Vorhaben ein Fördervolumen von rund 35 Millionen Euro. Mit organisiert und betreut hat den Wettbewerb der nordrhein-westfälischen Ministerien für Umwelt und Wirtschaft die Effizienz-Agentur NRW. Ob es um verbesserte Prozessabläufe, Verminderung von Ausschuss und Emissionen oder innovative Technologien geht: Maßnahmen im Sinne der Ressourceneffizienz führen zu einem geringeren Ressourceneinsatz, schonen dadurch die Umwelt, senken die Kosten und stärken die Wettbewerbsfähigkeit.

 

Notwendigkeit für Ressourcenschutz

Oft mögen die Maßnahmen unspektakulär klingen. Nicht immer sind es nur technische Anpassungen, die zu mehr Ressourceneffizienz im Unternehmen führen, auch strukturelle Veränderungen und erhöhte Motivation können zu Verbesserungen der Umwelt- und damit der Gesamtbilanz führen. Vor allem die steigenden Kosten für Material und Energie motivieren zu einer Verbesserung der Ressourceneffizienz. Das Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie und Vorreiter in der Erforschung der Ressourcenproduktivität stellt dazu fest: „Ressourcenproduktivität zu steigern heißt: innovative, energie- und materialsparende Technologien einzusetzen, neue umweltfreundliche Technologien und Produkte zu entwickeln, Qualität zu sichern und Risiken zu minimieren, Recyclingpotenziale zu erschließen, Arbeitsprozesse und Produktionsabläufe zu verbessern und in Systemen zu denken.“ Ressourceneffizienz bedeutet also neue Ideen, neue Märkte und neue Chancen: für Wirtschaft und Umwelt. Weil Ressourcengewinnung und -verbrauch unmittelbar mit Emissionen gekoppelt sind, gehört die Erhöhung der Ressourcenproduktivität zum umwelt-, wirtschafts und sicherheitspolitischen Programm der Bundesrepublik. Nur mehr Ressourceneffizienz verringert dauerhaft die Abhängigkeit von Rohstoffimporten und erhöht dadurch die (Versorgungs-)Sicherheit. Das Potenzial dazu ist unverändert hoch. Während in Deutschland pro Jahr mehr als 60 Tonnen Ressourcen pro Kopf verbraucht werden, sind es in Japan nur 45 Tonnen. Zwar ist die Energie- und Rohstoffproduktivität kontinuierlich gewachsen, eine tatsächliche Entkopplung des Wirtschaftswachstums vom Ressourcenverbrauchs findet jedoch nicht statt. Eine Verdoppelung der Effizienz ist hier die Mindestanforderung; Faktor 4 muss mittelfristig angestrebt werden, um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands dauerhaft zu sichern.

 

Investitionen zur Kostensenkung

Die verantwortungsvolle Wirtschaft kann ihren Teil dazu beitragen. Nie waren die Bedingungen dafür günstiger, denn für Investitionen in die Ressourceneffizienz stehen etliche Förderprogramme zur Verfügung und Banken im Wettbewerb für die Kreditvergabe. Finanzierungshilfen für ressourcenschonende Technologien kommen von Bund, Land, EU und häufig sogar von kommunalen Versorgern. Und gerade in der Krise lässt sich mit einer Reduzierung des Ressourcenverbrauchs immer noch mehr sparen als bei den Personalkosten. Schließlich beträgt der durchschnittliche Materialverbrauch 40 Prozent des Bruttoproduktionswertes der Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe. Die Personalkosten betragen demgegenüber rund 20 Prozent. Außerdem verbessern die Investitionen nicht nur die finanzielle Performance des Unternehmens, die Innovationen führen auch zu einem besseren Image bei Mitarbeitern, Investoren und Kunden. Leider nutzen insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) Umwelt- und Ressourceneffizienztechnologien noch viel zu wenig. Das Netzwerk Ressourceneffizienz ist angetreten, die Verbreitung der Informationen über Effizienztechnologien zu forcieren. Hier arbeiten Unternehmen aller Größenordnungen, Wissenschaftler und Politiker an Ressourceneffizienzstrategien und tauschen Informationen über die beste erreichte Praxis aus. Für „Newcomer“ steht das „to GO!“- Angebot mit konkreten Umsetzungsmaßnahmen zur Verfügung.

 

Instrumente zur Planung

Im Netzwerk Ressourceneffizienz arbeiten die Effizienz-Agentur NRW (EFA), das Wuppertal Institut (WI) und verschiedene future- Mitgliedsunternehmen mit. Neben dem Weg über die Internet- Plattform oder über die regionalen Veranstaltungen und Netzwerkkonferenzen stehen interessierten Unternehmen die Berater der EFA, die Wissenschaftler des WI und die Berater und Unternehmer bei future zur Verfügung. Bei allen Institutionen hat sich ein reichhaltiges Know-how und große Erfahrung im Einsatz erfolgreicher Instrumente zur Erreichung und Finanzierung von mehr Ressourceneffizienz gesammelt. So bietet future mit dem ZukunftsCheck ein moderiertes Selbstbewertungsinstrument, das das gesamte Unternehmen und sein Umfeld inklusive Controlling, Finanzen und Risikovorsorge unter die Lupe nimmt. Auf der Grundlage eines nach Stärken und Verbesserungspotenzialen differenzierten Potenzials werden Handlungsfelder und Maßnahmen bestimmt. Die im Umfeld des Wuppertal Instituts agierenden Berater setzen zum Teil die dort entwickelten Instrumente SAFE (Selbstbewertung), Factor X (Ressourcenmanagement) und MIPS (Lebenszyklusweite Produktanalyse) ein. Die Effizienz-Agentur hat mit der EFA-Toolbox das größte konkrete Angebot für Unternehmen. Ob in den Bereichen Produktion, Produkt oder Kostenrechnung erlauben erprobte Instrumente einen Einstieg ins ressourceneffiziente Wirtschaften. Zu allen Beratungen wird ein Kooperationsvertrag zwischen EFA, Unternehmen und einem frei wählbaren Fachberater geschlossen. Spezielle Förderprogramme unterstützen die Unternehmen schon in dieser Phase. Der PIUS-Check ist das mittlerweile auch in Japan eingesetzte bekannteste Werkzeug im Bereich Produktion. Mit dem Check werden die relevanten Stoffströme und der Stand der Technik in der Produktion erfasst und aufgezeigt, welche Verbesserungen im Sinne der Ressourceneffizienz möglich sind. Für den Bereich des Handwerks steht die Optimierung des betrieblichen Ressourceneinsatzes in Form des Ökoeffizienz-Check Handwerk zur Verfügung. Wenn es um Ressourceneffizienzgewinne durch verbessertes Instandhaltungsmanagement geht, ist der Instandhaltung- Check das Richtige. Im Bereich Produkt hält die EFA das JUMP-Tool für die umweltgerechte Produktgestaltung bereit. Weil im Design bereits Material- und Energieverbrauch der Produktion und des Produkts festgelegt werden, lassen sich hier die größten Verbesserungen erreichen – wobei die Investitionskosten nicht höher sein müssen, als bei Technologieanpassungen. Um diese mit den möglichen Betriebskostensenkungen korrelieren zu können, leistet die RKR, die Ressourcenkostenrechnung lang erprobte gute Dienste.

 

Begleitung der Finanzierung

Am interessantesten jedoch ist die mögliche Kopplung dieser Instrumente bzw. der mit ihnen entdeckten Umsetzungsmaßnahmen mit einem Förderinstrument, der PIUS-Finanzierung. Häufig sind die Investitionsmaßnahmen mit einer Effizienzsteigerung verbunden. „Dann können die Förderprogramme zum Produktionsintegrierten Umweltschutz des Landes und des Bundes genutzt werden“, sagt EFA-Berater Marcus Lodde. Er wird immer häufiger von Banken hinzugezogen, die Ressourceneffizienzmaßnahmen ihrer Kunden durch ihn „fördern“ lassen. Denn Lodde vermittelt nicht nur zwischen Technikern und Bankern, sondern begleitet die beiden in fünf Schritten bis zum Förderantrag. „Im Vorgespräch schätzen wir die Umwelteffekte der Maßnahmen ein und schlagen geeignete PIUS-Förderprogramme oder alternative Finanzierungsmöglichkeiten wie z. B. Contracting vor“, beschreibt er das Vorgehen. In der zweiten Stufe stellt die EFA die notwendige Projektgliederung für eine vorgeschlagene Fördermöglichkeit zur Verfügung. Dieser Gliederung ordnet das Unternehmen die nötigen Inhalte zu und sendet diese an die EFA zurück. Anschließend prüft die EFA die Projektskizze, macht gegebenenfalls Änderungsvorschläge, kontaktiert den Projektträger und erstellt ein Finanzierungs- Empfehlungsschreiben. Der letzte Schritt ist dann die formelle Antragstellung, die in der Regel zum Erfolg führt. rb