Projekte

Svetlana Kukhlevskaja (12 Jahre), Weissrussland, Foto:Peter Ginter im Auftrag der Bayer AG

Kompetenzentwicklug für nachhaltiges Handeln

Wie Führungskräfte und Mitarbeiter in Unternehmen ihre Kompetenzen „selbstorganisiert“ entwickeln und wie diese gemessen werden können, um Nachhaltiges Wirtschaften zu fördern, untersucht ein aktuelles Forschungsvorhaben an der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Berlin.

Das Projekt „Kona – Kompetenzentwicklung für nachhaltiges Handeln“ erforscht geeignete Modelle, um erforderliche Kompetenzen für nachhaltiges Handeln von Mitarbeitern und Führungskräften messen und weiterentwickeln zu können. Es wird von Prof. Dr. Anja Grothe geleitet und von Anke Fröbel und zwei studentischen Mitarbeitern in Kooperation mit der Rhein-Erft Akademie durchgeführt und umfassend vom Europäischen Sozialfonds und dem Berliner Senat gefördert. Für Unternehmen sind besonders jene Kompetenzen wichtig, durch die Mitarbeiter auch den Anforderungen neu entstandener Herausforderungen gerecht werden. Das Ziel von Kona ist es deshalb, Führungskräfte zu einem selbstorganisierten, zukunftsfähigen Handeln anzuregen. „Wir wollen die Manager und andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dort abholen, wo sie sich derzeit befinden, und ihre Kompetenzentwicklung in Sachen Nachhaltiges Wirtschaften fördern“, erläutert Anja Grothe.

 

Kompetenzen für nachhaltiges Handeln

Das Leitbild der Nachhaltigkeit hat international und national in den vergangenen 15 Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen und auf unterschiedlichen Ebenen Eingang gefunden. „Doch trotz dieser Tatsache besteht weltweit ein dringender Handlungsbedarf, denn wir sind von einer nachhaltigen Wirtschaftsweise, die sowohl ökonomische, soziale als auch ökologische Aspekte berücksichtigt, weit entfernt. Ziel sollte es sein, Menschen zu befähigen, das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung in ihrer alltäglichen beruflichen und privaten Lebenswelt aktiv gestaltend umzusetzen“, beschreibt Anke Fröbel die Ausgangslage des Projekts. Für Unternehmen bedeute das, dass sie um zukunftsfähig wirtschaften zu können, entsprechend ausgebildete Beschäftigte benötigen. Hierbei sei heute und zukünftig noch viel stärker eine ganzheitliche Kompetenzentwicklung für nachhaltiges Wirtschaften in der beruflichen Aus- und Weiterbildung erforderlich. Sowohl Unternehmer als auch alle Beschäftigten sollten diese Wirtschaftsweise tagtäglich bei ihren Entscheidungen und der Umsetzung ihrer Arbeitsaufgaben beachten.

 

Kompetenz ist mehr als Wissen

Erste Überlegungen im Bildungsbereich zum Kompetenzprinzip entstanden in den 1960er Jahren. Der Deutsche Bildungsrat verstand dabei Kompetenz vor allem als Ziel von Lernprozessen. Kompetenz wurde dabei in der Vergangenheit oft mit den Begriffen „Fähigkeiten“, „Kenntnisse“ und/oder „Qualifikationen“ gleichgesetzt. Im Projekt Kona wird bei der Verwendung des Kompetenzbegriffs eine Abgrenzung zu „Qualifikationen“ vorgenommen und der Begriff weiter gefasst. Danach sind „Fertigkeiten“, „Wissen“ und „Qualifikationen“ nicht mit Kompetenzen gleichzusetzen. Vielmehr sind sie deren integrativer Bestandteil. Durch die weiteren Bestandteile „Regeln“, „Werte“ und „Normen“ wird schlussendlich die Handlungsfähigkeit ermöglicht. Diese werden von Kona um den Nachhaltigkeitsaspekt erweitert, um gezielte Messinstrumente in diesem Bereich entwickeln zu können. Ein hierfür geeignetes Messinstrument wurde ausgewählt und wird im Projekt erprobt.

 

Bedarfsanalyse

Das Kona-Projekt untersuchte auf drei sich gegenseitig ergänzenden Wegen, wie Kompetenzen für nachhaltiges Handeln gezielt entwickelt werden können. Es wurden eine Marktanalyse sowie zwei Management- Kompetenzzirkel und verschiedene Expertengespräche mit Akteuren aus dem Nachhaltigkeitsbereich durchgeführt. Ziel der Marktanalyse war es, einen Überblick über sämtliche Weiterbildungsmöglichkeiten im wirtschaftlichen und naturwissenschaftlich- technischen Bereich mit Nachhaltigkeits- und Umweltinhalten an deutschen öffentlichen sowie privaten Hochschulen zu geben. Dabei wurde ein hoher Bedarf an Qualifizierungsinstrumenten für die Zielgruppe festgestellt. In zwei Management-Kompetenz-Zirkeln in Berlin und in Köln-Hürth wurde mit Führungskräften unterschiedlichster Unternehmenssparten über die Notwendigkeit von Kompetenzen für nachhaltiges Handeln der unternehmensinternen Entscheidungsträger, sowie neuer erforderlicher Qualifizierungsinstrumente, diskutiert. Einig waren sich alle Teilnehmenden dahingehend, dass es von großer Bedeutung ist, dass die Mitarbeiter auf allen Unternehmensebenen das nachhaltige Leitbild verinnerlichen. „Es muss im gesamten Unternehmen erkennbar sein, dass Zukunftsfähigkeit angestrebt wird“, betont Anke Fröbel. Nachhaltigkeit dürfe nicht nur eine Werbestrategie sein, sondern müsse vielmehr ihren Niederschlag in den Unternehmenszielen, im Unternehmensleitbild und in der Unternehmensstrategie finden. Der Führungskraft müsse die Möglichkeit zum Einbringen von Innovationen zugesichert werden. Ein Schwerpunkt in den künftigen Weiterbildungsprogrammen soll das Thema „Werte“ haben. Hiermit soll erreicht werden, dass keinesfalls nur reines Fachwissen zum Thema Nachhaltigkeit vermittelt wird, vielmehr sollen die Teilnehmenden die Notwendigkeit nachhaltigen Handelns verstehen, um auch aus eigenen Interessen zukunftsfähig zu handeln. Ebenso müsse die Führungsperson die notwendige Offenheit zur nachhaltigen Entwicklung mitbringen, so dass Weiterbildungsmaßnahmen nicht als Pflichttermine gesehen werden. Den Entscheidungsträgern biete sich die Gelegenheit, einen klaren Marktvorteil durch Kompetenzvorsprung in einem bisher kaum auf dem Bildungsmarkt angewandten Bereich zu erzielen. Nachhaltigkeit ist ein hoch komplexes Schnittstellensystem. Da aus Schnittstellen häufig Konflikte entstehen, ist das interdisziplinäre Weiterbilden der Führungskräfte auf allen Unternehmensebenen im Hinblick auf die Nachhaltigkeitskompetenzen unerlässlich.

 

Fazit und Ausblick

Eine systematische Qualifizierung im Bereich des Nachhaltigkeitsmanagements ist an deutschsprachigen Hochschulen bislang nur in Ansätzen vorhanden. Die meisten Entscheidungsträger in den Bereichen der nachhaltigen Entwicklung haben sich ihre Kompetenzen im Laufe der Zeit praktisch und selbstständig angeeignet. Das Projekt Kona hat sich als nächstes zum Ziel gesetzt, ein Konzept für ein kompetenzorientiertes Qualifizierungs- und Trainingsangebot zu entwickeln, das sich an den Bedarfen orientiert, welche die durchgeführte Marktanalyse, die Kompetenz- Zirkel und die Expertengespräche ergeben haben. Hierbei setzt das Projekt auf die systematische Entwicklung von Lernmodulen, um ein differenziertes Lernen zu ermöglichen. Systematisches Studieren in Modulen bedeutet spezifische „Learning outcomes“ anzustreben und Kompetenzen zu lehren und zu lernen. Hierbei ist eine spezifische handlungsorientierte Didaktik erforderlich, die nicht nur den Wissenszuwachs im Blick hat, sondern vor allem eine Lernumgebung bietet, in der Anwendungswissen entstehen kann und Kompetenzen erprobt und trainiert werden können. Die Verinnerlichung von Werten ist der Schlüsselprozess jeder Wertaneignung und damit jedes Kompetenzlernens. Werte können nicht gelehrt werden. Sie entstehen erst dann, wenn Menschen ihr Wissen zu Emotionen und Motiven ihres eigenen Handelns machen. Deshalb können sich nur die Lernenden selbst – in neuartigen, offenen und realen Problemsituationen kreativ handelnd – Werte aneignen. Die Herausforderung in der Konzipierung dieser Lernsysteme besteht darin, den Talenten eine optimale Möglichkeit zu bieten, ihre Kompetenzen selbst organisiert, in einem kommunikativen Prozess mit Lernpartnern (Netzwerk) aufzubauen. Für die Anwendung und damit verbunden die Weiterentwicklung des Konzepts für ein kompetenzorientiertes Qualifizierungs- und Trainingsangebot lädt das Kona- Team interessierte Unternehmen und andere mögliche Partner zur Zusammenarbeit ein.