Donnerstag, 19. Oktober 2017

Sharing-Fahrdienste wie Uber und Lyft verdrängen öffentlichen Nahverkehr und umweltschonendes Verkehrsverhalten

Ridesharing-Dienste wie Uber und Co. gelten als neue, flexible Einkommensquelle und Service-Erweiterung. In Europa sind sie noch selten, doch in den USA zeigen sie Wirkung: 49 bis 61 Prozent ihrer Fahrten wären ohne sie zu Fuß, per Rad, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder gar nicht unternommen worden, zeigt eine Studie. Aufs eigene Auto verzichten die Nutzer*innen ebenfalls nicht.

Hauptgrund für den Wechsel vom eigenen Auto zur Nutzung der Dienste der Sharing-Unternehmen sind die Parkgebühren, ergibt die Befragungs-Studie der University of California in Davis. Nutzer*innen sind vornehmlich junge, gut ausgebildete Menschen: Nur vier Prozent der Über-60-jährigen aber 36 Prozent der 18- bis 29-jährigen nutzen die Fahrdienste.

Doch ihr Einfluss auf die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs in den großen amerikanischen Städten ist bereits zu spüren. Um sechs Prozent ist dieser bereits zurückgegangen. Weil ohne die Dienste 49 bis 61 Prozent der Wege per Rad, zu Fuß oder gar nicht unternommen worden wären, hat stattdessen der Straßenverkehr durch Uber und Co. sogar zu- statt abgenommen. Weil die Uber-Fahrer*innen ihre Fahrzeuge nach ihren Sharing-Touren auch ohne neue Fahrgäste wieder zurückfahren (immerhin 20 bis 50 Prozent der Wegstrecken), sei es verkehrs- und klimatechnisch sogar besser, wenn die Dienstenutzer*innen mit ihrem eigenen Auto führen.

Der hohe individuelle und schnelle Mobilitätsanspruch und gleichzeitg die oftmals schlechte Verfügbarkeit öffentlicher Verkehrsmittel verursache mit den Fahrdiensten ein größeres Verkehrsaufkommen, das den öffentlichen Nahverkehr stärker bremse – und diesen für seine Nutzer*innen weiter verschlechtere, fasst Angie Schmitt vom Streetsblog zusammen.

Schon gibt es Beispiele, dass Städte ihre öffentlich finanzierten Busunternehmen aufgeben – zugunsten privater Unternehmen wie Uber. So wie die Stadt Innisfill im Norden Torontos, berichtet das Magazin Treehugger. Wie die private Vermittlung von Ferienwohnungen durch AirBnB und Co. zeigt die Studie zu Fahrdiensten, dass die Reboundeffekte durch Mehrnutzung erheblich sind.

Mehr zu Reboundeffekten durch neue Technologien und Sharing-Economy, auch in Bezug auf Zeit, Energie und Ressourcen, im gleichnamigen factory-Magazin Rebound.



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