Dienstag, 11. Juli 2017

Nur 100 Unternehmen verursachen 71 Prozent der globalen Emissionen

Viele kennt man gut, die meisten eher weniger: Die Liste der Unternehmen, die für über zwei Drittel der Treibhausgasemissionen verantwortlich sind, ist gar nicht so lang. Die größten Verschmutzer sitzen in China, Saudi-Arabien, Russland, Iran und USA. RWE ist auf Platz 41.

Gerade mal 100 Unternehmen bzw. Konzerne sind es, die über 70 Prozent der weltweiten Treibhausgase seit 1988 ausstoßen, gibt ein neuer Bericht bekannt.

Der Bericht des CDP, früher Carbon Disclosure Project genannt, entstand aus der Idee, die "Carbon Majors", die hauptverantwortlichen Emittenten namentlich zu benennen, die jahrzehntelang am Energieverkauf Milliarden verdient haben. Sie sollen nun mit dem Paris Abkommen von 2015 ebenfalls Verantwortung unternehmen und ihren Teil für die notwendige Transformation leisten, in dem sie erneuerbare Energieprodukte und -produktion anbieten.

Immerhin sind diese Konzerne die größten Klimaverschmutzer der Welt. Während bisher die weltweiten Emissionen nur nach Ländern gelistet wurden, steht mit dem Bericht ein Ranking der Unternehmensverantwortung zur Verfügung. Der Zeitraum der Erfassung ist wohlgewählt: 1988 wurde das IPCC gegründet, das Intergovernmental Panel on Climate Change, das seitdem mit einem wissenschaftlichen Heer die menschengemachte Erderwärmung dokumentiert und Empfehlungen entwickelt. Seit dieser Zeit hat die fossile Industrie ihre Ökoschulden verdoppelt: von 1988 bis 2016 hat sie so viel Treibhausgase produziert wie 237 Jahre seit Beginn der industriellen Revolution bis 1988.

Mit dem Bericht sollen vor allem Investoren erkennen, wie stark ihre Investitionen mit der Klimaschädigung verbunden sind – und wie wenig zukunftsfähig sie sind. Erstmals erfasst wurden die Daten 2013 von Richard Heede, dem Leiter des Climate Accountability Institute (CAI). CDP übernahm die Datenbank 2014, pflegt sie seitdem und kann viele Beispiele nennen, wie Unternehmen und Emissionen zusammengehören.

So sind von den 100 größten Kohlenstoffemittenten sind 41 börsennotierte Unternehmen, 16 sind ausschließlich in Privatbesitz, 43 sind Staatseigentum. Über die Hälfte der industriellen Emissionen seit 1988 kommt von gerade mal 25 Unternehmen. Unter den stärksten Verschmutzern, die Investoren gehören, sind ExxonMobil, Shell, BP, Chevron Peabody, Total und BHP Billiton. Staatliche Schlüsselunternehmen sind Saudi Aramco, Gazprom, National Iranian Oil, Coal India, Permex und CNCP (PetroChina). Die Emissionen aus der chinesischen Kohleverbrennung stammen von den staatseigenen Gruppenunternehmen Shenhua, Datong Coal Mine und China National Coal.

Weil diese Unternehmen die größten Verschmutzer sind, haben sie auch am meisten Einfluss auf eine Veränderung. Sie sind am ehesten von den politischen Maßnahmen des Paris Abkommens betroffen, die bis 2050 Treibhausgasneutralität für die Weltwirtschaft zum Ziel haben. Sie haben auch die größte wirtschaftliche Macht, dagegen oder dafür zu wirken, dass diese Ziele erreicht werden – entsprechend hoch ist ihre Verantwortung bzw. die ihrer Eigentümer.

Bemerkenswert ist, dass 59 Prozent der Unternehmen in Staatsbesitz sind. Die Staaten, die also das Pariser Abkommen unterschrieben haben, sind also in direkter Verantwortung für die Unternehmen, ihre Ausrichtung zu verändern. Für 32 Prozent haben Investoren Verantwortung. Nutzen sie diese nicht, werden ihre Investitionen nicht nur an Wert verlieren, sondern könnten sogar ganz verloren gehen. So wird erwartet, dass die Unternehmen, die ihr Business Modell nicht radikal ändern, innerhalb der nächsten zehn Jahre ihr ebenso radikales Ende erfahren werden, wie Paul Stevens vom Think Tank Chatham House im letzten Jahr errechnete.

Um die deutschen Klimaziele bis 2030 zu erreichen, müssten bis 2019 alle alten Kohlekraftwerke, die mehr als 30 Jahre in Betrieb sind, abgeschaltet werden – Deutschland ist der sechstgrößte Treibhausgasemittent der Welt. Bis 2035 muss die Stromerzeugung aus Braun- und Steinkohle komplett durch erneuerbare Quellen ersetzt sein, rechnete das Ökö-Institut aus. EU-weit müssten bis 2030 alle Kohlekraftwerke abgeschaltet sein, gab die EU-Kommission selbst an. Das bedeutet, dass auch polnische und tschechische Staatsunternehmen, die in der Carbon-Majors-Liste weit vor RWE und Co. stehen, ab- bzw. umrüsten müssten.

Mehr zu den Auswirkungen des Nichthandelns im factory-Magazin Baden gehen. Wie sich das Handeln dagegen auswirkt, lesen Sie im gleichnamigen Magazin Handeln. Wie weit das Divestment, der Ausstieg aus der Finanzierung fossiler Energien inzwischen ist, steht im entsprechenden factory-Magazin Divestment.



Übermittlung Ihrer Stimme...
Noch nicht bewertet. Seien Sie der Erste, der diesen Artikel bewertet!
Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.

« Sharing für die Umwelt: Das Potenzial ist groß, das Angebot zu unbekannt
« News

Kommentare

Keine Kommentare


Kommentar hinzufügen






  • drucken
 
© 2017 factory - Magazin für nachhaltiges Wirtschaften